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Weil Sonntag ist

Deswegen soll es wenigstens einen Eintrag aus der Reihe “MZ-Kolumne” geben. Und zwar dieses Mal den aktuellen, weil ich es ja doch nicht schaffe, den Abstand aufzuholen. So haben also die 99,8 % der Bundesbürger, die nicht die Meinerzhagener Zeitung abonniert haben, auch die Chance, meine Gedanken zu den wichtigsten Themen aus Philosophie und Politik zeitnah zu lesen.

“Ansichtssache” vom 21.8.2010: Sauerländer Steigerung

Heute gibt es mal wieder eine Wortbetrachtung. Schon Generationen haben vermutlich ihrem Nachwuchs je nach Bedarf Lebertran, Spinat oder Haferbrei mit dem Hinweis „Das ist gut für dich“ aufgenötigt. Und wie sagt man, wenn man diesen positiven Effekt noch steigern möchte? Genau: „Das tut dir besser gut!“ Konrad Duden würde sich natürlich schütteln, aber wen stört das schon? Wichtig ist doch, dass da jemand weiß, was für uns am besten ist.

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Höchste Zeit

Ups! Mein Urlaub ist längst vorbei, aber offensichtlich befinde ich mich immer noch im Nichts-Tun-Modus. Ein neuer Eintrag wäre ja schon lange möglich gewesen, aber… da fällt mir keine passende Entschuldigung ein… außer vielleicht, dass ich zur Zeit mit Hochdruck an einem neuen Manuskript arbeite. Es sieht so aus, als ob ein großes Defizit im Bereich “Bücher für Frauen über Fünfzig” besteht, und da ich ja zumindest den Bereich “Bücher von Frauen über Fünfzig” abdecke, dachte mein Agent, das könnte man zusammenbringen. Eine Idee hatte ich schnell, aber vielleicht gibt es noch zusätzliche Anregungen zum Thema “leeres Nest”? Was kann frau tun, wenn sie in dieser Phase noch mal durchstarten will? Über etwas Unterstützung wäre ich nicht traurig…

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Mal wieder was zum Feiern

Das mit dem Golddorf hat zwar nicht ganz geklappt, aber nach dem Sieg der deutschen Mannschaft haben wir uns einen schönen Titel verdient, deshalb also heute der Rückgridff auf voriges Jahr:

Juni 2009: Goldene Zeiten

Meine Kindheit in Rönsahl ist, das muss ich zugeben, lange her. Damals wurde man von den rheinländischen Mitschülerinnen deswegen manchmal bedauert. Schließlich war das Strandbad meistens ein modriges Gewässer, wo man lieber Kaulquappen fing als zu baden. Die Brennerei ist mir in erster Linie durch den unerfreulichen Geruch nach Maische in Erinnerung, und den Ortseingang zierten zwei heruntergekommene Gebäude, die von den Einheimischen nach einer alten Western-Serie mit dem Namen „High Chaparral“ bedacht wurden.

Aber die Zeiten ändern sich, und jetzt strebt das rundum verschönerte Dorf erneut nach Gold. (Respekt – und natürlich beide Daumen gedrückt!) Ich sollte mir das als Vorbild nehmen: man muss mit den Jahren nicht zwangsläufig hässlicher werden, oder?

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Wahlversprechen von gestern

In Kierspe taumelt das Volk von einem Glückszustand in den nächsten, denn auch wenn das Schützenfest langsam ausklingt, hat die Nationalmannschaft einen Super-Start hingelegt, und jetzt können wir doch wieder alle stolz sein. Was gab es denn letztes Jahr um diese Zeit? Ich grabe im Archiv und erinnere mich: da stand die Kommunalwahl ins Haus, die ja aus unerfindlichen Gründen nicht zusammen mit anderen Wahlen stattfinden durfte. Und ihr zu Ehren habe ich zwei Kolumnen geschrieben, die allerdings in der Zeitung gekürzt wurden. Hier also in voller Länge:

Juni 2009: Wahlversprechen 1

Das mit dem Landeplatz für Heißluftballons hat ja wirklich für Aufsehen gesorgt. Obwohl ich finde, man könnte noch mehr tun, um aus Kierspe einen Tourismusmagneten zu machen. Nach Hamburg z.B. fährt man wegen der Musicals. Das könnten wir doch auch: einfach die Jahnturnhalle zu einem Musical Dome erklären und den Sportplatz daneben für Parkplätze teeren. Den Buswendekreis gegenüber gibt es schon. Aus der Pestalozzischule machen wir ein Vier-Sterne-Hotel.

Jetzt fehlt natürlich noch das Musical selber. Welcher einheimische Musiker könnte denn eine Story vertonen, in der zwei Liebende nicht heiraten können, weil ihre Familie für die Umgehungsstraße ist und seine dagegen? Oder die Väter gehören zu unterschiedlichen Motoballklubs? Zum Schluss öffnet sich das Dach und die beiden entschweben mit einem Ballon gen Himmel. Das wäre doch rührend, woll? Ich denke mal weiter drüber nach.

Nachtrag aus 2010: immerhin bemühen sich gerade heimische Musikschaffende um die Schöpfung eines Kierspe-Lieds. Das mit der Umwidmung der Jahnhalle wird schon schwieriger, denn bei der neuen Abwasserordnung kann man sich ja den Betrieb eines geteerten Parkplatzes kaum noch leisten. Ob sich stattdessen ein Shuttle-Service von P1, P2 und P4 des städtischen Park-Leit-Systems einrichten lässt? Aber schauen wir mal in die nächste Folge.

Juli 2009: Wahlversprechen II

Weil das Kiersper Rathaus nicht ganz so spektakulär aussieht wie der Berliner Reichstag, könnte man es unter touristischen Gesichtspunkten ja mal mit Verhüllen versuchen. Wenn Christo es nicht machen will, wäre sicher der Heimatverein dazu bereit: ein Quadratmeter Stoff pro Bürger würde doch reichen, oder? Das könnte richtig schön bunt werden. Beim Zusammennähen müsste man nur darauf achten, eine Öffnung für den Eingang zu lassen, damit die Ratsherren und der Bürgermeister nicht so mühsam drunter durch krabbeln müssen. Obwohl das sicher auch eine Touristenattraktion sein könnte.

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Aussterbende Sprachen

Als Kind habe ich noch Plattdeutsch gehört und bin immer noch in der Lage, es zu verstehen. Inzwischen gibt es zwar Vereine, die versuchen, es am Leben zu erhalten, aber wenn eine Sprache nicht gesprochen wird, dann entwickelt sie sich nicht mehr – und ist damit vermutlich am Ende. Schade eigentlich, aber wohl nicht aufzuhalten. Trotzdem an dieser Stelle eine kleine Reminiszenz an plattdeutsche Ausdrücke.

März 2009: Platt ausgedrückt

Es ist schade, aber vermutlich nicht zu verhindern, dass unser Plattdeutsch – allen Bemühungen zum Trotz – mit der Zeit aussterben wird. Das passiert nun mal mit nicht gesprochenen Sprachen. Und dann wird auch niemand mehr wissen, was eine Häpe ist. Hätten Sie’s gewusst?

Mit jakobswegerfahrenen Entertainern hat die Häpe jedenfalls nichts zu tun, schon allein weil sie weiblichen Geschlechts ist. Ich würde sie definieren als eine rechthaberische Person mit kampferprobtem Mundwerk, mit der man sich als Ruhe liebender Mensch besser nicht anlegt. Natürlich gibt es in der modernen Sprache dafür reichlich Synonyme: Beißzahn zum Beispiel. Oder Keifzange. Xanthippe wäre die klassische Version. Aber das Wort Häpe finde ich so schön kurz und knackig. Ob es sich retten lässt? Denn der damit beschriebene Typ stirbt vermutlich nie aus.

Auf diesen Beitrag bekam ich viele Reaktionen, um mir zu erklären, dass der Häpe im übertragenen Sinne bereits ein nützliches Gartengerät zugrunde liegt. Deshalb auch der zweite Beitrag.

März 2009: Die Häpe ganz praktisch

Viele Begriffe werden im wörtlichen oder im übertragenen Sinne benutzt, das lernen wir im Deutschunterricht. Über die Häpe im übertragenen Sinne, nämlich als streitsüchtiges Weib, habe ich letzte Woche geschrieben. Postwendend wiesen mich mehrere Leser darauf hin, dass eine Häpe eigentlich eine Art kurzes Hackebeil ist, mit dem früher Reisig oder Gebüsch zerkleinert wurde.

Deshalb möchte ich das heute unbedingt nachtragen. Zum einen, weil es mich natürlich freut, dass meine Kolumne offensichtlich aufmerksam gelesen wird. Zum anderen vermute ich, dass Häpen wohl nicht mehr in Großserien produziert werden – wer von uns muss noch Reisig hacken? Da frage ich mich natürlich, welche Begriffe aus meinem täglichen Leben eines Tages für meine Enkel unbekannt sein werden…

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Bewerbung

Gestern Abend habe ich wider besseres Wissen mal wieder den sonntäglichen Pilcherfilm geguckt (ist es Zufall, dass sich “sonntäglich” auf “unsäglich” reimt?). Immerhin musste ich mich von den Landtagswahl-Informationen erholen und außerdem hatte ich was zu handarbeiten.

Jedenfalls habe ich darüber nachgedacht, wie das ZDF seine Drehbuchschreiber aussucht. Vermutlich muss man sich ja mit ein paar Probedialogen bewerben. Und da kam mir die Idee, auch mal solche verpilcherten Dialoge zu entwerfen. Ich fange also einfach da an, wo sich Held und Heldin emotional näher kommen.

Held: Ich muss dir gestehen, bisher waren Frauen für mich immer nur flüchtige Affären.

Heldin: Das kann ich verstehen. Ich bin in meinem Leben schon so oft enttäuscht worden, dass ich keinem Mann mehr vertrauen kann.

Held: Aber ich bin anders. Mir kannst du vertrauen.

Heldin: Ach, wie gut, dass du das sagst. Dann zieh ich morgen bei dir ein.

Oder ein Versuch aus der dramatischen Abteilung:

Held: Ich bin ja jetzt blind und werde nie wieder malen können. Könntest du bitte an meinem Computer eine Überweisung über tausend Pfund machen?

Heldin: Aber gern. Wusstest du übrigens, dass du nicht mehr eine Million auf dem Konto hast, sondern nur noch zweitausend Pfund?

Held: Oh, wie ärgerlich. Da muss mich jemand betrogen haben. Dann zieh doch wenigstens drei Prozent Skonto ab.

Was meinen Sie – kann ich das so lassen oder sollte ich noch daran arbeiten?

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Es war der Hopfenkauz und nicht die Lerche

Vor einem Jahr waren wir dran, die jährliche Maifeier für die Nachbarschaft in unserer Sackgasse auszurichten, ein Event, der meistens am 30. April um 18 Uhr mit Aufstellen des Maibaums und dem Gesang von “Komm, lieber Mai, und mache” beginnt und je nach Wetterlage am Abend des 1. Mai endet. Ein Fest für Hartgesottene, wie man sieht. Dazu hatte ich die folgende Kolumne geschrieben.

Gestern traf ich bei einem Geburtstag auf mehrere Leser dieses Beitrags, aber keiner von uns (noch nicht mal ich als Autorin) konnte sich an den Namen der beschriebenen Vogelart erinnern. Nein, es war nicht die Schnapsdrossel oder der Schluckspecht, auch nicht die Blaumeise oder der Promillehäher… Deshalb zu diesem Zeitpunkt nochmal die Kolumne, sozusagen gegen das Vergessen.

Mai 2009: Vogelkunde

Auch in diesem Jahr war es wieder möglich, im Naturschutzgebiet „An der Währ“ das eindrucksvolle Mai-Ritual des Hopfenkauzes zu beobachten. Ein lebhafter Schwarm dieser zur Familie der Schluckspechte gehörenden schrägen Vögel ist dort seit langem ansässig. Schon früh beginnen die älteren Männchen mit der Auswahl und Vorbereitung eines geeigneten Platzes. Gern werden dafür komfortable Doppelgaragen mit Holzbänken und Glasgefäßen ausgeschmückt. Nach den traditionellen Drohgebärden, die das Aufstellen einer bunten Holzstange und Angst einflößende Gesänge einschließen, folgt das Kampftrinken. Dabei kann ein ausgewachsener Hopfenkauz das Vielfache seines Eigengewichts aufnehmen, vorausgesetzt, es befindet sich genug Alkohol in der Flüssigkeit. Nach rund vierundzwanzig Stunden ziehen sich die scheuen Tiere wieder in ihre Nester zurück, wo sie sich der Aspirin-Suche widmen.

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Heimatkunde

Jetzt folgt eine Reihe von sehr Kierspe-bezogenen Beiträgen, für die man folgendes wissen sollte:

1. das Hülloch ist eine sagenumwobene Höhle in Kierspe, die zur Zeit erforscht wird. Was für Köln die Heinzelmännchen, das waren hier für Kierspe die Schanhollen, nach denen inzwischen schon eine Grundschule benannt wurde.

2. Anny Wienbruch war Lehrerin in Kierspe und hat jede Menge Bücher veröffentlicht, von denen einige auch hier handeln und mit unschwer erkennbaren Kiersper Personen bestückt sind.

März 2009: Amazon macht’s möglich

Nachdem man lesen konnte, dass das Hülloch wieder aufgebuddelt wird, wo, wie man als Kiersper weiß, die Schanhollen ihr Unwesen treiben, fiel mir plötzlich Anny Wienbruch ein. Ihre Bücher waren ein Teil meiner Kindheit (meine Mutter kannte die Akteure zum Teil persönlich). Weil sich aber keines ihrer über 80 Werke mehr in unseren Regalen befindet, schaute ich mich – zugegeben ohne hohe Erwartungen – bei Amazon um.

Tatsächlich gibt es dort über 200 Angebote, die zum Teil noch aus den Fünfziger Jahren stammen. Staunend entdeckte ich Titel wie „Friedrun und ihr Pferd“, „Ossi sucht ihr Vaterland“, „Petra, ein famoses Mädel“ und, was soll man sagen, „Guscht und Götz, die Höhlenforscher“. Leider gab es keine Inhaltsangabe, so dass ich nicht weiß, ob die beiden auch im Hülloch forschten. Aber passen würde es ja.

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Felsenfest

Vor etwa einem Jahr hatten wir in unserer Gemeinde Lego-Tage. Eine Gruppe von Kindern durfte unter der Aufsicht begeisterter Erwachsener im Gemeindesaal eine komplette Lego-Stadt aufbauen. Hier ein Detail – der Bauherr kann wohl nicht leugnen, dass er einen Teil seines Lebens in Köln verbracht hat:

Lego-Tage Kierspe

Dazu entstand diese Kolumne.

März 2009: Steinreich

In Köln stürzt das Stadtarchiv ein, und Kierspe hat damit höchstwahrscheinlich seine Geburtsurkunde verloren. Gut, dass wir den 1000. Geburtstag bereits gefeiert haben!

So gesehen hätten wir die Urkunde besser im Dorf gelassen. Denn wie am Sonntag noch die Teilnehmer des Gottesdienstes erfahren konnten, der zum Abschluss der Lego-Bautage in der Freien evangelischen Gemeinde stattfand, leben wir auf felsigem Grund. Das ist zwar manchmal lästig für Bauherren oder Gärtner, aber insgesamt ein beruhigender Gedanke. Bei uns dürfte wohl so schnell kein Gebäude wegrutschen!

Außerdem ist nicht abzusehen, dass in Kierspe eine U-Bahn gebaut wird. Denn die brauchen wir nicht. Mit dem Ende der Straßenarbeiten im Dorf und (mittelfristig) einer Umgehungsstraße wären wir doch schon zufrieden, oder?

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Hitchcock-Erlebnisse

März 2009: Zugvögel

Kraniche, so habe ich im Internet gelernt, gehören zu den größten flugfähigen Vögeln überhaupt, und wenn sie im Frühjahr aus ihren südeuropäischen Winterquartieren zurück zu ihren nordischen Brutplätzen fliegen, dann legen sie mehrere hundert Kilometer am Tag zurück.

Auf dieser Reise sind sie am vergangenen Wochenende auch in Kierspe vorbei gekommen. Im Dunkeln. Hätte ich nicht gewusst, woher die seltsamen Geräusche stammen (ich war allein zuhause), es hätte beinahe gruselig sein können. Man denkt unwillkürlich an Hitchcock und sämtliche Filme, nach denen man jemals schlecht einschlafen konnte. Aber in erster Linie sind Kranichzüge ein Zeichen dafür, dass es Frühling wird. Bei den Ägyptern war der Kranich der Sonnenvogel. Und für Sonne, finde ich, wäre es jetzt mal wieder Zeit.

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