Na endlich…

Voriges Jahr wollte ich mir einen Virenscanner aus dem Internet laden und bin dabei an einen unseriösen Anbieter geraten. Unseriös, weil er mir das Programm zwar wie viele andere kostenlos anbot, dann aber, nachdem ich so doof war und schon meine gesamten persönlichen Daten eingegeben hatte, behauptete, ich wäre ein zweijähriges Abo eingegangen und sollte jetzt für diese Dienste pro Jahr knapp 100 Euro zahlen. Als ich das widerrufen wollte, teilte man mir per Email mit, ich hätte durch das Anklicken eines Kästchens auf mein Widerrufsrecht verzichtet.

Ich war sehr erstaunt. Und tat das, was ich in einem solchen Fall meistens tue und besser schon vorher getan hätte: ich habe die Firma gegoogelt. Sie ahnen, was jetzt kam: eine Ladung von Berichten über andere arme User, die auf den gleichen Trick hereingefallen waren. Die Anzahl der Ratschläge hielt sich zwischen “Zahlen, alles andere hat keinen Zweck” und “Bloß nicht zahlen, sondern aussitzen bis zum Mahnbescheid” etwa die Waage.

Ich habe nicht gezahlt. Aber ich habe dabei zwei Erfahrungen gemacht: 1. wie dumm man sich fühlt und wie peinlich – bis dahin, dass ich eine Weile gebraucht habe, bis ich überhaupt mit jemandem darüber geredet habe, nur um eine Menge anderer zu entdecken, denen das auch passiert war. Und 2., was für einen hilflosen Zorn man entwickeln kann, wenn der erste Inkassobescheid ins Haus flattert. Sowas hatte ich vorher noch nie gesehen. Meine Wut bildete merkwürdige Formen. Zum Beispiel kam mir irgendwann die Idee, wie das Imperium zurückzuschlagen. Immerhin hatte ich ja den Namen des Geschäftsführers aus dem Impressum, genau wie die Firmenanschrift und die Kontoverbindung (auf die ich, wie gesagt, beharrlich zu überweisen mich weigerte). Ich spielte mit dem Gedanken, für den Mann einen teuren Überseeflug zu buchen, am besten dorthin, wo der Pfeffer wächst, und die Zahlung über das Konto laufen zu lassen. Ob das wohl funktioniert? Familienmitglieder rieten mir davon ab, weil die IP-Adresse meines Computers nachvollzogen werden könnte. Aber vielleicht könnte ich irgendwo aus dem kostenlosen W-LAN eines Hotels…? Oder das Ganze wenigstens in eine bitterböse Kurzgeschichte packen…?

Egal, das Leben nahm seinen Lauf, und ich vergaß das Ganze, zumal auch niemals ein Mahnbescheid ins Haus flatterte, gegen den ich hätte Einspruch erheben können. Und was lese ich heute beim Frühstück in der Zeitung? (Wie schon mehrfach gesagt, die besten Inspirationen findet man nicht selten dort.) In Hamburg wird gegen diese Firma und ihre Inhaber ein Prozess geführt! Millionen von Euro haben sie auf diese Weise ergaunert. Warum erst jetzt ein Prozess? Dauert das immer so lange?

Jedenfalls bin ich froh, dass ich stur geblieben bin. Aber gut angefühlt hat es sich nicht. Und das ist vermutlich der Grund, weswegen das Ganze bei vielen anderen Opfern funktioniert hat. Und das ärgert mich jetzt wieder. Aber vermutlich nicht lange. Mal sehen, was morgen in der Zeitung steht.

 

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