Geschichte einer Kurzgeschichte

Dezember 2011 – Panik!

Jedes Jahr vor Weihnachten – man kennt das ja – verfallen alle Leute in Hektik, nicht nur wegen der Geschenke, sondern auch, weil sie Weihnachtskarten verschicken wollen. Das habe ich mir seit langer Zeit abgewöhnt. Stattdessen versende ich kurz vor den Festtagen eine eigene Kurzgeschichte per Email an Bekannte und Geschäftspartner. Das ist im Prinzip weniger Aufwand und, wie ich finde, auch etwas persönlicher. Der einzige Knackpunkt daran: ich muss eine Kurzgeschichte schreiben. Sie sollte knapp genug sein, dass der Empfänger nicht von vornherein abgeschreckt wird, sie zu lesen. Sie sollte humorvoll sein – zum einen, weil das zu mir besser passt und zum anderen, weil es bereits genug Probleme auf der Welt gibt. Originell sollte sie natürlich auch sein. Und was mit Weihnachten zu tun haben.

Sie merken schon: das ist nicht einfach. Schon seit Ende Oktober zerbrach ich mir den Kopf darüber und kam auf keine Idee, die alle Kriterien erfüllen konnte. Natürlich war das nicht das einzige Projekt, das drängte, schließlich habe ich ja ganz unterschiedliche Tätigkeiten, und vor Weihnachten kommt dann noch das Geschenke kaufen dazu. Typischerweise flüchte ich dann in nicht besonders zielführende Ablenkungsmanöver, zum Beispiel das Surfen im Internet. Besonders gern lese ich Weblogs, in denen Frauen demonstrieren, wie vielseitig und kreativ sie sind. Da wird genäht, gestrickt, gehäkelt, gekocht und gebastelt, dass es einem den Atem raubt. Also alles Dinge, die man nicht tun sollte so lange man noch unerledigte Sachen in seinem Kalender stehen hat, die langsam eilig werden.

Aber gerade hier kam mir dann eine unerwartete Idee: die Weihnachtsgeschichte als Weblog zu erzählen. Gesagt, getan, wenn der Gedanke erst mal da ist, dann ist der Rest nicht mehr so schwer. Und eine Email zu verschicken ist auch viel weniger Arbeit als jede Menge Karten zu schreiben, zu addressieren und zur Post zu bringen. Uff. Geschafft. Ich wandte mich anderen Dingen zu und vergaß das Ganze.

Januar 2012 – Überraschung!

Natürlich habe ich diese Mail auch an meine Lektorinnen bei dtv geschickt. Die sollen schließlich sehen, wie kreativ ich bin. Und dann meldete sich eine Verlagsmitarbeiterin, mit der ich bisher noch nichts zu tun gehabt hatte: sie stelle gerade einen Sammelband mit Weihnachtsgeschichten zusammen und würde meine gerne mit aufnehmen, ob ich etwas dagegen hätte?

Vermutlich müsste man mir die Deportation nach Sibirien androhen, bevor ich was dagegen hätte. Ich stimmte also erfreut zu und widmete mich wieder anderen Dingen.

Frühjahr 2012 – Respekt!

Irgendwann bekam ich einen Vertrag für das Projekt, den ich unterschrieb. Dann trudelten eines Tages die Korrekturabzüge ein, und ich begriff, was da wirklich abging: meine Geschichte würde zusammen mit welchen von Erich Kästner, Gerhard Polt, Jussi Adler-Olsen, Hans Scheibner, Dora Heldt und anderen veröffentlicht werden! Ein kurzer Moment des Selbstzweifels sei an dieser Stelle gestattet. War die Story gut genug, um da mithalten zu können? Nun ja, nun war es eh zu spät, denn das Ganze befand sich in Produktion. Ich lenkte mich einen Tag lang mit meinen Lieblings-Blogs ab und vergaß die Besorgnis wieder.

Oktober 2012 – Begeisterung!

Der Postbote klingelt und überreicht mir ein braunes Päckchen, was mich zunächst verwirrt, weil ich diese Woche brav war und nichts bei Amazon bestellt habe. Aber dann Sammlung weihnachtsgeschichtenstellt sich raus, dass es sich um meine Belegexemplare handelt. Das Buch mit meiner Geschichte drin – und mein Name wird sogar auf der Rückseite erwähnt!!! Bevor meine Familie ihr Mittagessen bekommt, muss sie erst einmal dieses Ereignis angemessen würdigen. Denn auch wenn es nicht das erste Belegexemplar ist, das ich vom Verlag zugeschickt bekommen, den Moment vergesse ich auf keinen Fall!

Übrigens, wer gern auch von mir zu Weihnachten eine Kurzgeschichte kommen möchte, kann mir einfach eine Mail schreiben. (Und wer keine mehr kriegen will, auch.)

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2 Kommentare zu Geschichte einer Kurzgeschichte

  1. Liesel Krause sagt:

    Hallo Ulla, ich möchte gerne eine Kurzgeschichte von dir zu Weihnachten bekommen!
    Du kannst mich auch für die nächsten Jahre notieren. LG Liesel.

  2. Margarete Dreiheller sagt:

    Ich möchte auch eine Geschichte zu Weihnachten bekommen. Kurzgeschichten rund um Weihnachten, sind meine kleine Leidenschaft. Ich freu mich drauf!

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