Bütterken

Unsere Lokalzeitung ist eigentlich nichts anderes als eine Quelle unterschiedlichsbread-and-butter-1758669_1280ter Inspirationen. Da wurde kürzlich über ein 60 Jahre altes Stück Brot berichtet, das – inzwischen steinhart, aber unverschimmelt – den Weg zurück in die Bäckerei fand. Der Hintergrund: es wurde einer alten Tradition folgend dem Bräutigam bei der Hochzeit in die Tasche gesteckt, irgendwann dort wiedergefunden und als Glücksbringer verwahrt. Ähnliches ist mir selbst auch passiert, als ich mit meiner Kusine vor ein paar Jahren auf dem Dachboden den alten Wehrmachts-Ledermantel unseres Opas entdeckte. Aus Jux angezogen, in die Tasche gegriffen – und mit etwas Unbehagen förderte ich ein antikes Butterbrot zutage, noch in das typische Butterbrotpapier eingepackt. Das haben wir anschließend allerdings weggeschmissen, statt es dem Heimatverein anzubieten, und so sind wir dann nicht in die Zeitung gekommen.

Der Sauerländer liebt halt sein Bütterken. Das musste vor Jahren bereits unsere japanische Austauschschülerin erfahren, die mit dem Graubrot unseres Haushalts so gar nicht glücklich war und sich lieber schon zum Frühstück Reisgerichte zubereitete. (Es ist eine ganz eigene Erfahrung, wenn man morgens früh noch etwas verschlafen in die Küche taumelt und direkt von Knoblauchdünsten empfangen wird.) Ich weiß nicht, ob sie mitbekommen hat, dass die Unesco den westfälischen Pumpernickel inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt hat, aber begeistern würde es sie sicher nicht.

Vielleicht hätten wir sie mitnehmen sollen zu dem Gasthof zwischen Kierspe und Rönsahl, in dem die heimischen Jäger immer nach kalten Treibjagden ihr “Kesseltreiben” abhielten. Da gab es zwar nicht nur Bütterken, sondern einen anständigen “warmen Löffel im Bauch”. Aber in unserer Familie war diese Kneipe nur unter dem Namen “Schinkenbüttershausen” bekannt – als ich klein war, dachte ich allen Ernstes, das sei der offizielle Ortsname. Schön klingt er jedenfalls, finde ich. Und seien wir ehrlich – spätestens wenn man sich in einem Frankreichurlaub vierzehn Tage nur von Baguette ernährt hat, ist ein anständiges Vollkornbrot mit Schinken ein Genuss, woll?

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