Respekt vor dem Wort und dessen Urheber

Normalerweise möchte ich in diesem Blog keine politischen Kommentare abgeben. Deshalb soll es hier auch nicht um den Verteidigungsminister und Berufspolitiker KT gehen, sondern um den Autor, der nach eigenen Aussagen “den Überblick über die Quellen verloren” hat. Immerhin, er gibt es öffentlich zu und will seinen Titel dauerhaft nicht mehr führen.

Trotzdem empfinde ich das Verhalten als eine Ohrfeige für alle, die – zeitweilig vielleicht als Studenten oder dauerhaft als Autoren – sich immer wieder mit dem Verfassen von Texten beschäftigen. Eine Dissertation ist ihrem lateinischen Ursprung gemäß eine umfassende Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen Thema, und da ist es selbstverständlich, dass man sich als allererstes mit den Quellen befasst, die es bereits zu diesem Thema oder einem Teilaspekt gibt. Dazu gehört auch die Anerkennung des Verfassers. Es ist keine Schande, ihn zu zitieren und seinen Ansichten zuzustimmen. Ihn nicht zu nennen und seine Formulierungen und Gedanken als seine eigenen auszugeben ist jedoch nicht nur respektlos, sondern sowohl nach modernem Recht als auch unseren moralischen Grundwerten gemäß falsch. Das weiß und akzeptiert der Großteil der Studenten, die sich Jahr für Jahr immer wieder Nächte um die Ohren schlagen, um ihre Arbeiten vor dem Abgabetermin noch mal auf Fehler zu prüfen. Das weiß und akzeptiert die Mehrheit von Textern und Journalisten, die täglich mit der Erstellung von Texten ihr Geld verdienen. Und von einem Juristen sollte man dies ebenso erwarten.

Das ist es, was mich an dieser Affäre so enttäuscht. Wer in der Oberstufe oder im Grundstudium ein Referat vorbereitet, hat vielleicht noch nicht den Blick für die Quellen. Wer im engen Zeitrahmen von drei oder vier Monaten eine Bachelorarbeit schreibt, kann mit der Fertigstellung schon mal zeitlich ins Gedränge kommen. Aber eine Promotion ist als Abschluss einer akademischen Ausbildung gedacht und soll nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die handwerkliche Kompetenz des Autors beweisen. Sie dauert mehrere Jahre – auch deshalb, weil man diese Zeit für die Auseinandersetzung mit der vorhandenen Literatur braucht. So klingt es etwas schwach, wenn jemand da den Überblick verloren hat. Vielleicht hat der bekennende AC/DC-Fan zu häufig “Dirty Deeds Done Dirt Cheap” gehört. Obwohl das für ihn jetzt eher teuer werden könnte.

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